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21. Emmas Zweifel
Später sitzt Emma mit Lea am Küchentisch. Der Baum steht noch ungeschmückt im Wohnzimmer, eine Lichterkette liegt wie ein schlafender Drache zu seinen Füßen.
„Mama hat geschrieben“, sagt Emma. „Sie will, dass ich am 24. länger bleibe. Sie schreibt, dass sie sich allein fühlt, wenn ich gehe.“
Ihre Finger kreisen das rote Band. „Ich fühl mich, als würde ich jemanden im Stich lassen, egal, was ich mache.“
Lea rührt in ihrem Tee. „Ich kann dir nicht sagen, was richtig ist“, sagt sie. „Aber ich kann dir helfen herauszufinden, was sich für dich stimmig anfühlt.“
„Leg mal eine Hand auf dein Herz“, sagt Lea. „Schließ die Augen. Stell dir vor, du bist erst dort – bei deiner Mutter. Dann später hier. Wie fühlt es sich an? Und dann umgekehrt.“
Im Bild: Emmas Gesicht mit geschlossenen Augen, Innenbilder wie leichte Schatten im Hintergrund – sie mit der Mutter auf dem Sofa, sie mit den anderen am Tisch.
„Ich glaub, ich will teilen“, sagt Emma schließlich. „Aber ich will es ehrlich sagen und nicht so, als würde ich mich entschuldigen, dafür dass ich zwei Familien habe.“
20. Rückfall in der Küche
Der 23. rückt näher. Die Küche ist wieder voll: Töpfe, Schüsseln, Verpackungen. Der Timer piept, das Telefon klingelt, jemand lässt einen Löffel laut in die Spüle fallen.
„Wo sind die Servietten?“, ruft Jonas. „Hat jemand die Servietten gesehen?“
„Welche?“, fragt Lea aus dem Wohnzimmer.
„Die mit den Sternen!“, ruft Jonas. „Wieso kann hier nie—“
Man hört, wie seine Stimme kippt. Ben friert ein, mit einem Glas in der Hand. Lina stellt gerade einen Teller ab und zuckt zusammen.
Achtsamkeitsmoment (mit Rückfall + Korrektur):
Jonas’ Blick fällt auf sein Handgelenk. Das rote Band schneidet sich fast in die Haut, so fest hält er die Faust.
Er atmet einmal scharf ein… und dann bewusst aus. „Stopp“, sagt er halblaut – zu sich selbst. „Ich fang nochmal an.“
„Ich bin gerade völlig überfordert“, sagt er, diesmal langsamer. „Ich hab Angst, dass wir morgen wieder in Streit enden. Und dann beschwere ich mich über Servietten. Es tut mir leid, dass ich euch angefahren habe.“
Ben stellt das Glas ab. „Die Servietten sind im Flurschrank“, sagt er. „Ich hol sie.“
Lina lächelt vorsichtig. „Das war… voll schnell wieder lieb“, stellt sie fest.
Im Bild: Jonas, der mit der Hand übers Gesicht streicht, ein kurzes, ehrliches Lächeln. Hinter ihm das Chaos – aber etwas ist weicher geworden.
19. Das Band am Handgelenk
Der Alltag holt sie wieder ein. In der Schule, in der Uni, auf der Arbeit.
Ben sitzt im Bus, schaut auf sein Handy. In der Klassengruppe macht sich jemand über ein Mädchen lustig. Seine Finger fliegen über die Tastatur – eine spitze Antwort, ein Witz, der die Situation noch anheizen würde.
Da streift sein Blick das rote Bändchen an seinem Handgelenk.
Er hält inne. Atmet ein. Löscht den Satz, bevor er auf „Senden“ drückt.
„Was machst du?“, fragt sein Sitznachbar.
„Nix“, sagt Ben. „Ich schreib’s lieber nicht.“
Emma steht am Bahnsteig, verirrt zwischen Reisenden. Sie spielt mit ihrem Bändchen, während sie überlegt, wie sie die nächste Nachricht an ihre Mutter formuliert. „Ich kann später kommen“ oder „Ich muss früher gehen“.
Sie atmet tief durch, bevor sie schreibt.
Lina zeigt ihrem Lieblingsmenschen in der Schule stolz das Band. „Das ist unser Adventsband“, erklärt sie. „Wenn ich sauer werde, fass ich es an und atme. Manchmal hilft es. Manchmal nicht. Aber ich versuch’s.“
Im Bild: drei verschiedene Szenen mit Händen und Bändchen – im Bus, am Bahnsteig, auf dem Schulhof. Untertitel: „Das Band erinnerte sie daran, kurz innezuhalten, bevor sie etwas taten, das sie später bereuen würden.“